ciao bella

Schönheit, heisst´s, liege im Auge des Betrachters. Meines hat eine Vorliebe für italienische Formen, das schicke ich gerne vorweg, wenn ich gleich die Piaggio X10 mit der kürzlich gefahrenen Suzuki Burgmann 400 vergleiche. Beide gehören nämlich in die gleiche Kategorie der gehobenen Rollermittelklasse, die Italienerin wird vom neuen 350er Triebwerk befeuert, das trotz Hubraumnachteil mit 33 PS und fast ebensoviel Nm Drehmoment nur jeweils eine Einheit hinter der Suzuki einläuft. Dafür kommt sie 20 Kilo leichter daher, schneller fühlt sie sich deswegen nicht an, sicher aber schnell genung. Ohne pflichtbewussten Blick auf den Tacho agiert man ständig im rechtsfreien Raum, dazu trägt dann auch die erstaunliche Agilität des Langschiffes bei. Erstaunlich deshalb, weil die X 10 eine der längsten ihrer Art ist, auch das 15er Vorderrad dient eher der Hochgeschwindigkeitsstabilität, eine offensichtlich auf agilität gerechnete Geometrie dient der Handlichkeit. Funktioniert übrigens bestens, Überland und auf der Autostrada sowieso, macht Spass ünd fühlt sich sicher an in Serpentinen, und bereitet tatsächlich Vergnügen im dichten Stadtverkehr, das heisst schon was, bei so einem Dampfer.
Das Piacere beginnt schon vor den Café, die X 10 wird durchwegs positiv kommentiert, sie liegt vor dem trottoir wie ein Jet Ski am Strand. Und wenn man abdampft zeigt man den Passanten ein breites und doch nicht fettes Heck, soll an einen Sportwagen erinnern, hat der Designer von Piaggio gesagt, deswegen auch die zwei seitlichen Rücklichter. Die ausladende Front scheint mit Helium gefüllt zu sein, normalerweise fällt nämlich hohe Masse gerade an der Vorderhand beim Kolonnenwedeln besonders ins Gewicht, hier merkt man nichts davon. Über die Scheibe blickt man gnädig hinweg, sie schaut auch schnittig aus, die Italiener legen ja viel Wert auf Bella Figura, und das offensichtlich nicht nur bei der Maschine. Sie fahren bekanntlich gerne im knapp geschnittenen Helm, nur so kommen die coolen Shades zur Geltung.
Will sagen: der Drang zur ästhetischen Selbstdarstellung bringt quasi als Nebenprodukt alltäglich Annehmlichkeiten wie ausreichenden Schutz vor Wind und Wetter. Dass man in Pontedera, im Gegensatz zu den Freunden bei Suzuki, offensichtlich die Segnungen des Windkanals zu schätzen weiss zeigen auch einige kleine aber wirksame Details wie die unauffälligen Windabweiser im Fussbereich, da flattern nicht mal die Hosenbeine. Dafür hat man auf die praktischen Handschützer wie auf der Suzuki gesehen verzichtet, aber die kann man ja mit ein wenig handwerklichem Geschick in regnerischen Gegenden selber nachrüsten – oder sich elegante wasserdichte Handschuhe zulegen.
Summa summarum hat man mit der Piaggio X 10 ein universales Alltagsgefährt zu einem attraktiven Preis unter dem Gesäss, welches dem Auge schmeicheld und die Börse an der Tankstelle schont, in der Stadt und auf dem Land Freude bereitet, schliesslich auch noch von Passagieren hoch geschätzt wird. Dass sie durchaus auch noch als Statussymbol wahrgenommen wird nimmt man als Zugabe gerne kostenlos in Kauf.

Piaggio X 10 350ie + € 6.499,- + 330ccm + 33,3PS + 32,2NM + 195KG + 144Km/H

Modellvorstellung Motorradmagazin:
Motorradmagazin_06-12_046.pdf

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