täglicher bedarf

Was Güter des täglichen Bedarfs tatsächlich sind, darüber gehen die Meinungen auseinander, je nachdem ob man den Gewerkschaftsvorsitzenden fragt oder den Betriebsratschef der Supermarktkette `Dayli´. Leichter fällt die Bewertung da schon in Sachen Fortbewegung, schnell sollte man sein, nicht von Dummheit und Körpergerüchen der Anderen belästigt werden, schliesslich möglichst nah ans ins Auge gefasste Ziel gelangen. Da landet man zwangsläufig beim Motorroller, als Ästhet schnell bei einem italienischen, und, soferne man sich der Sache als Automobilist nähert, bei einem Modell mit 125 Kubikzentimeter Brennrauminhalt. Solch ein Gerät darf man mit dem erweiterten B-Schein lenken, ein paar Stunden in Gesellschafft eines Sachkundigen auf einem geräumigem Parkplatz reichen zur Erlangung der Lizenz zum Stauschwänzen.
Den täglichen Mobilitätsbedarf deckt die Vespa seit eh und je wie kaum ein anderes Zweirad, die vom Importeur zur Verfügung gestellte S125 sogar jenen modisch anspruchsvoller Menschen, die kleine Schwarze für alle Fälle quasi. Vom Banker bis zur Rechtsanwältin garantiert sie Jedem und Jeder stilvollen Auftritt, man sollte jedoch den Schlüssel immer gut versteckt aufbewhren, auf dass der Nachwuchs sich nicht vergreifen möge. Denn seit die neuen EU Führerscheinrichtlinien auch in Österreich gelten, dürfen auch schon 16Jährige den achtel Liter bändigen, und das ist gut so. Wer je bewusst zwei Teenager auf dem Schulweg beobachtet hat, die mit ihrem 40Km/h Moped am Strassenrand von ungeduldigen Autofahrern bedrängt den täglichen Überlebenskampf kennen lernen mussten, weiss die neue Souveränität zu schätzen.
Während also die Jungen sich ein bisserl erwachsener fühlen dürfen, bringt den Älteren die Vespa einen Teil ihrer Jugend zurück, man fühlt sich zurückversetzt in längst verloren geglaubte Zeiten, Sound und Feeling erinnern an die alten Vespatage, allerdings ohne die Nachteile der historischen Handschaltung oder des zwar nach Zweitaktöl duftenden, aber doch etwas brustschwachen alten Triebwerks in Kauf nehmen zu müssen.
Aux contraire, am neuen Dreiventiler beissen sich beim Ampelsprint die Konkurrenten die Zähne aus, ratlos hasten sie der süssen Kleinen hinterher, sie sieht ja nicht gerade nach dynamischer Moderne aus.
Tatsächlich ist das neue Triebwerk aber fast ein Quantensprung, in Sachen Antrittsstärke tut sich sogar die grosse 150er Schwester bis 60 Km/h schwer, hier hat die Piaggio Gruppe ihre ganze Erfahrung reingesteckt. Und das nicht ohne Grund, soll doch dieser Motor quasi die ganze Welt motorisieren, weswegen er auch in drei Werken produziert wird, in Italien für den europäischen, in Vietnam für den Asean Markt, und in Indien eigentlich ausschliesslich für den Heimbedarf. Dort stellt nämlich die `echte´ Vespa ein veritables Statussymbol der unteren Mittelklasse dar, wer auf ihr statt auf den einheimischen Kopien zum Rendevouz anrauscht hat eindeutig bessere Chancen am Heirats- und Arbeitsmarkt.
Die verschlungenen Vertriebswege der fleissigen Vespen können dem unbedarften Konsumenten aber so manchen Prügel zwischen die Beine werfen, verirrt sich doch manchmal eine von ihnen in den grauen Markt. Das bedeutet, dass sich ein Motorradhändler die Marktöffnungsbestrebungen der EU zu Nutze macht, sein Lager aus nicht offiziell von Piaggio für den österreichischen Markt vorgesehenen Chargen füllt, und dergestalt die ortsüblichen Preise unterfährt. Nicht, dass die Qualität dieser Fahrzeuge eine mindere wäre, aber im Falle eines Garantiefalles muss dann erst die Fahrgestellnummer im Register in Pontedera gesucht werden, denn den Gewährleistungsanspruch verantwortet der Hersteller, nicht der Händler, der sich erst gegen das Kostenrisiko absichern wird. Für den ansonsten glücklichen Fahrer bedeutet das die bürokratischen Abläufe abwarten zu müssen, selbst wenn nur eine Kleinigkeit zu reparaieren wäre. Dann steht die liebe Vespa vielleicht genau zur schönsten Sommerzeit wochenlang untätig wartend in der Werkstatt, statt den erholungshungrigen Eigentümer ins Grüne zu bringen. Das wär doch Schade, für eine Hand voll Euro mehr garantiert ihnen der Importeur rasche Erledigung, und Ihr täglicher Bedarf ist wieder nachhaltig erfreulich gedeckt!

Modellvorstellung im Motorradmagazin:
Motorradmagazin_0708-12_Vespa Kopie .pdf

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