grüne alternative

Waren die giftgrünen Renner einst ein Muss für dynamische Vorstadtracer hat die neue Nüchternheit der ehemals Geschwindigkeitsrauschaffinen Jungmänner die Marke aus Kobe in den Verkaufsstatistiken auf hintere Plätze absinken lassen.
Kein Wunder, haben die Burschen doch dank des coolen Auftritts mit ihren Maschinen vor der Disco rasch Bekanntschaft mit ebenfalls risikobereiten Fräuleins gemacht, `safe´ waren damals weder Verkehrsverhalten noch der Sex, Nachwuchs eine mit der gleichen Selbstverständlichkeit hingenommene Nebenwirkung wie ein gelegentlicher Besuch der Unfallstation.
Eine Pflichtschulzeit später wird es selbst dem duldsamsten Elternteil im Familientransporter und der tägliche Verkehr unerträglich langweilig, doch nicht ein Jeder traut sich gleich den Schritt zurück zur alten Liebe, für die Übergangszeit tut´s auch mal ein Roller, lässt sich auch beim Familienrat viel leichter argumentieren. Praktisch, billig, und ich komm´ früher und besser gelaunt nach Hause, das ist doch mal was Neues!
So oder ähnlich muss wohl auch die Executiveetage bei Kawasaki Heavy Industries gedacht haben, wo sind denn nur unsere Kunden geblieben, womöglich habne sie nur einfach ihren eigenen Alltag abgecheckt. Die Erkenntnis war rascher gefunden, als es ein neues Fahrzeug zu entwickeln braucht, Geduld ist aber nicht immer der Schlüssel zum Erfolg, man kann ruhig auch mal um Hilfe fragen.
Als japanisches Vorzeigeunternehmen musste Kawa da wohl über einige Schatten springen, ausgerechnet bei Kymco in Taiwan Unterstützung zu suchen, es wahr aber offensichtlich eine gute Entscheidung, das Ergebnis überzeugt. Insbesonders in der, erstaunlicher Weise aufpreispflichtigen, grellgrünen `Special Edition´ lässt das Fahrzeug keinen Zweifel, wes Geistes Kind es ist, da erinnert nichts an tristen Pendleralltag, alles hingegen an die gute alte Zeit, als eine Kawa ein ernst zu nehmender Gegner auf der Rennstrecke war. Kawasaki nennt das Design kurz und bündig `scharf´, durchaus angemessen, alleine die Front sorgt, sobald sie im Rückspiegel eines PKW auftaucht, für klare Verhältnisse, ZX und R sind nahe liegende Assoziationen.
Ditto an Heck und Auspuff, der Imagetransfer funktioniert, die J 300 gibt sich offen als Kawa zu erkennen, auch wenn in dezenterem Farbton geordert. Das ist gut und schön, mindestens genau so wichtig wäre aber die Frage zu klären: wie schaut´s unter der feinen Hülle aus, geht sie, liegt sie, wie bleibt sie stehen?
Fangen wir von hinten an. Bei den Bremsen haben sie sich gleich wieder im Familienbetrieb bedient, Scheiben im `Petal Design´ erinnern an die Schwestern, das haben die Hauseigenen Vermarkter erst gar nicht übersetzt, `Blüten Stil´ würde denn doch etwas -wie sagt man das jetzt korrekt?- feminin klingen. Völlig unpassend, die Verzögerung ist mehr als ausreichend, dank Stahlflexschläuchen unnachgiebig und exakt dosierbar. Recht so, denn auch das Triebwerk erfüllt alle Erwartungen, so eine Kawa hat auch als Scooter bestimmte Cliches zu erfüllen, die 300er tut dies mit angenehm räudigen Ton und spürbarem Nachdruck.
Na und liegen tut sie auch gut, gerade aus sowieso, auch auf gewundenen Landstrassen durch Wald und Wiese folgt sie brav und exakt den Befehlen des Reiters, durchaus sportlich im Anspruch mit dezenter komfortabler Note ohne je unsicherheiten aufkommen zu lassen. man könnte nun erwarten, dass sie sich ob ihrer Länge und Richtungsstabilität im städtischen Gemetzel schwer tuen würde, doch das Gegenteil trifft zu. Da bewährt sich dann plötzlich die, beim ersten Platz nehmen etwas ungewohnte, lenkernahe Sitzposition. Mittels des recht hohen Lenkers zirkelt man easy zwischen den kriechenden Kolonnen durch die Stadt, vermeidet knapp doch sicher Kniekontakt, sowohl zu den Lenkerenden wie zu den Nachbarn.
Und parkt schwerelos rückwärts ein, schlenzt Helm, Handschuhe und Überjäckchen elegant unter den bequemen, perfekt geformten Sitz und geht beschwingt zum Tagwerk über. Das schaut gleich viel bunter aus, wenn man sich ihm auf einem artgerecht bewegten und grünen Fahrzeug beginnt, Kawa kann´s!

Den vollständigen Testbericht finden Sie im aktuellen Motorrad Magazin!

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