WASSER & LICHT

Mann kann sich nicht beschweren, über den Sommer 2017! Außer, dass man sich regelmäßig aus dm verschwitzten Lederkombi schälen musste, jede Ausfahrt, sofern sie nicht nach Nordeuropa führte, war von sengender Sonne und schwüler Luft geprägt. Und natürlich „erhöhtem Verkehrsaufkommen“, aber das ist man ja gewöhnt, in der Hochsaison.

So wirklich angenehm wird´s aber erst jetzt, mit dem September kommt die wahre Genusssaison für den reifen Motorradfahrer, jetzt lockt der Süden mit angenehmen Temperaturen und nicht mal mehr die Gesichter der einschlägigen Tourenkombifahrer leuchten hitzerot unter ihren Klapphelmen hervor. Ein echtes Sicherheitsplus, auch dass man nicht mehr die Umgebung beäugende Wohnmobilpiloten und ihre Kupplung malträtierende Wohnmobilpiloten überholen muss senkt eindeutig das Unfallrisiko.

Ab nach Süden also, schließlich finden sich die schönsten Österreichischen Berge in Italien, Südtirol protzt mit Alpenpässen nur so, ganz nebenbei liegen mittendrin auch noch jede Menge prickelnde Seen, ideales Revier also für den Spätsommerurlaub. Und weil wir schon frühmorgens angenehme Temperaturen und einen Sprung ins Wasser genießen wollen nehmen wir Quartier am Gardasee, da kann eigentlich nix schief gehen.

Und wieder mal steuern wir das Aqualux in Bardolino an, wir haben von dort aus diesen Winter schon die Moto Bike Expo Verona angesteuert, eine durch und durch erfreuliche Erfahrung, auch wenn wir den Pool dank knackiger Temperaturen nicht wirklich genießen konnten. Dafür aber die Tiefgarage, in der uns schon damals eine Reihe prächtiger Harleys ins Auge gestochen sind, die den Hang der Eigentümer zu einspuriger Fortbewegung bezeugen. Was auch erklärt, warum man uns auch diesmal wieder freundlich aufgenommen hat, man wird ja manchmal auch schief angeschaut, wenn man verschwitzt und lautstark vor einer schicken Reception einläuft. Nicht so hier, auch sachdienliche Hinweise auf lohnende Routen abseits der Uferstrasse und lohnende Ziele in der Nähe kann man erfragen.

Schon zum Frühstück gibt´s den Ersten Tipp, nämlich auf der Fahrt hinauf ins Trentino zu den Pässen erst mal das Navi auf Caprino Veronese hinzuweisen, dort hat man dann die Wahl links am den Monte Baldo herum nach Malcesine hinabzustechen, da könnte man dann die Fähre ans West- oder Nordufer nehmen, um dort gleich die nächsten Gipfel zu stürmen. Oder man hält sich auf der Ostflanke des „glatzerten Berges“. Okay, ist natürlich eine mutwillige Falschübersetzung via Englisch. Hat nämlich nichts mit „bald“ zu tun, dafür umso mehr mit „bold“, also kühn oder kräftig, man versteht die Bezeichnung, sobald man des Massivs ansichtig wird.

Hat man den Kräftigen umrundet landet man in Mori, nun gilt es, keinesfalls nach Rovereto abzusteigen! Stattdessen biegen wir links auf die SS240 ab, ein paar Kilometer später auf die SP45, „P“ ist immer gut, das heißt „provinciale“, bei Strassen lieben wir provinzlerisch, sie führt uns auf dem Rücken des Ravazzone nach Castellano führt, die SP20 dann weiter nach Frizzi, natürlich des Namens wegen. Ist ein Ortsteil von Covelo, ein anderer nennt sich Buzzi, so was gilt es zu würdigen, nicht wahr? Über Garniga und Garniga Vecchia Superiore -alt und höher!- und die Cima Palon gelangt man schließlich wieder in ein Tal mit, nein, nicht nur einem, etlichen Seen, logischer Weise heißt es dann auch Vallelaghi!

Nicht nur viele Bademöglichkeiten gibt´s hier, auch was die weitere Routenwahl anlangt regiert die Qual der Wahl! Über Trient rüber nach Osten zur Sellarunde, hinter´m Adamello im Norden lockt der Stelvio, durchs Tal der Sarca, die nach Durchfluss des Gardasees als Mincio Berühmtheit erlangt, kommt man in die Judikarischen Täler, kann sich noch mal zwischen Madonna und Idro See entscheiden. Von dem geht´s dann verkehrsarm und kurzweilig über die Provinzstrassen Nummer 58 und 9 wieder an den Gardasee nach Gargnano, wo wir unseren lokalen Guida Mauro Feltrinelli in seiner Werft abgegeben haben. Wem nun schön langsam das Gesäß schmerzt, dem sei wieder mal die Fähre empfohlen, man spart sich so die Mühsame Südumrundung, begibt sich aber auch der Chance, sich bei der Königin der Tortelloni zu stärken.

Die residiert in Valeggio sul Mincio, einem, obzwar nur einen kräftigen Steinwurf von Peschiera und damit der Autobahnn gelegenen, etwas verschlafenen Dörfchen an der Grenze von Venedig mit der Lombardei. Die Grenze verläuft generell in Flussmitte, nur nicht hier, die alten Mühlen des Borghetto wie auch die beeindruckende Konstruktion des Ponte Visconteo sind fest in Venezianischer Hand. Die Brücke ist eigentlich ein befestigter Damm, ende des 14. Jahrhunderts von Herzog Gian Galeazzo Visconti von Mailand in Auftrag gegeben, um das von einem Wassergraben geschützte Mantua einnehmen so die lästigen Venezianer zur Teilname an seiner Norditalienischen Liga zu bewegen, mit welcher er immerhin lästige Attacken deutscher und bayrischer Feldherren abwehrte.

Hat nicht sollen sein, egal, das Hauwerk wäre den Abstecher wert, das Ristorante alla Borsa hingegen stellt ganz für sich einen dringenden Grund dar, Valeggio zu besuchen. Schon beim Parken in der Via Goito senden die Nasenschleimhäute dringende Appetitbotschaften ans Stammhirn, seit dem frühen Morgen schmurgelt der Rindsbraten im Ofen, aus dem die Füllung für die seidigen, hauchdünnen Pastafleckerln gezaubert wird. Nadja würde es nie wagen, vom Rezept der Mama abzuweichen, geht auch kaum, die Signora wacht stets streng über die Zubereitung. Und sorgt auch dafür dass sie warm an den Tisch kommen, dazu der korrekte Wein, warum nicht ein Bardolino, und wenn schon, dann gleich der von Zeni. Dazu gibt´s den Rat, dort auch mal vorbeizuschauen, schönes Weinmuseum haben die Zenis auch eingerichtet, und sollte man ein Glaserl mehr intus haben, als die Carabinieri lustig finden ist das auch kein Problem. In wenigen Minuten ist man auch zu Fuß daheim im Aqualux, ein Bisserl frische Luft kann nicht schaden, und morgen vor der Abfahrt zum nächsten Abenteuer weckt ein Sprung in den Pool die Geister. Garantiert!

 

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